Das technische Denkmal Neumannmühle

Das technische Denkmal Neumannmühle

Öffnungszeiten

Geöffnet am 30. und 31.07.2011 zwischen 10 und 18 Uhr

Eintritt: 2,00 €

Mehr unter www.neumann-muehle.de

Technische Beschreibung

Die technische Einrichtung der Neumannmühle, die als Brettmühle über Jahrhunderte ohne wesentliche Veränderung arbeitete und so auch heute gezeigt wird, besteht aus dem Mühlrad, der Transmission und einem Ein-Blatt-Sägegatter.

Sie wurde 1871/72 um einen Anbau für eine kleine Holzschleiferei erweitert.

Diese besteht aus einem Holzschleifer, einem Raffineur, einem Sortierer und einer Entwässerungsmaschine mit den erforderlichen Pumpen und Leitungen.

Diese Maschinen entsprechen dem technischen Stand um 1869/70. Sie waren vermutlich schon einmal in einem anderen Betrieb genutzt und aus zweiter Hand erworben worden.

Eine Neuanlage wäre für diesen kleinen Betrieb viel zu teuer gewesen. Der Holzschleifer unterstreicht diese Tatsache noch, denn er ist kein Erzeugnis einer Maschinenfabrik, wie sie damals bereits die Württembergische Firma VOITH mit Erfolg in viele Länder lieferte, sondern muß als ein "Eigenbau" angesehen werden. Und gerade darin besteht sein historischer Wert.

Bis 1946 lieferte die Neumannmühle Holzschliff für einige Papierfabriken im Dresdner Raum. Das Sägewerk diente noch bis Anfang der 50-iger Jahre der Forstwirtschaft für den örtlichen Bedarf.

Die Sägemühle

Das genaue Alter der Sägemühle ist nicht mehr exakt zu ermitteln, aber mit Sicherheit auf mindestens 400 Jahre zu schätzen. Sie wurde weder durch Hochwasser noch durch Brände in Mitleidenschaft gezogen, ist somit in ihrer Anlage und den wesentlichen Teilen erhalten geblieben. Davon legen sowohl die Fundamente als auch die Haupttransmission und das Sägegatter Zeugnis ab.

Nur zwei Mühlen ähnlicher Bauart sind noch in Europa bekannt. Einmal Schads Mühle im Gloinetal im Niederen Fläming unweit Drewitz Kreis Burg. Zum anderen die Mühle zu Buch bei Gottmadingen im Kanton Schaffhausen in der Schweiz.

Der Antrieb des Sägegatters erfolgt durch ein mittelschlächtiges Wasserrad mit einer Leistung von 15-18 PS. Das Wasserrad hat einen Durchmesser von 4.60m und eine Breite von 1,80m, sowie eine Beschaufelung von 40 Stahlblechschaufeln. Die maximale Drehzahl des Wasserrades beträgt 7,5 Umdrehungen pro Minute.

Vom Wasserrad wird die Kraft über ein Zahnradvorgelege auf die Hauptwelle und das Gatter übertragen, aus der rotierenden in die senkrechte Bewegung umgesetzt und mittels Reibradgetriebe über ein kleines Zahnrad und eine Zahnstange der Vor- und Rücklauf des Blockwagens, auf dem der Holzstamm liegt, waagerecht bewirkt.

Sägewerk mit Antrieb (Schema)

Bild 1: Sägewerk mit Antrieb (Schema)

Sägegatter mit Blockwagen

Bild 2: Sägegatter mit Blockwagen

Sägegatter mit Blockwagen (Rückansicht)

Bild 3: Sägegatter mit Blockwagen (Rückansicht)

 

Reibradgetriebe für Blockwagen

Bild 4: Reibradgetriebe für Blockwagen

An der Schwinge (Eisenstange) ist der Vorschub des Blockwagens je Sägehub von 1,46 mm bis 3,03 mm einstellbar, daraus ergibt sich eine maximale Vorschubgeschwindigkeit für den Blockwagen von 0,55m/min.

Antrieb des Blockwagens

Bild 5: Antrieb des Blockwagens

Die Kinematik ist so ausgelegt, daß bei der Aufwärtsbewegung des Sägegatters der Vorschub erreicht wird, während bei der Abwärtsbewegung, also beim Schnittvorgang, der zu sägende Block stehen bleibt. Soll der Wagenvorschub abgestellt werden, so wird nur das Reibsperrglied über eine Kette angehoben.
Damit wird die Kraftübertragung von der Schwinge zum Reibrad unterbrochen.

Antrieb des Blockwagens (von unten gesehen)

Bild 6: Antrieb des Blockwagens (von unten gesehen)

Antrieb des Sägegatters

Bild 7: Antrieb des Sägegatters

Der Antrieb erfolgt über eine Riemenscheibe (Los- und Festscheibe) mit Schwungrad auf eine Kurbel (Kurbelarm 20cm) mit Pleuelstange zum Sägegatter. (Sägehub 40 cm)

Hauptantrieb auf der Wasserradwelle

Bild 8: Hauptantrieb auf der Wasserradwelle

Vorlegegetriebe

Bild 9: Vorlegegetriebe

Alle 4 Zahnräder sind mit austauschbaren Hartholzzähnen versehen

Antrieb der Haupttransmission

Bild 10: Antrieb der Haupttransmission

Haupttransmission

Bild 11: Haupttransmission

Hebelsystem zur Steuerung der Wasserzuführung für das Wasserrad

Bild 12: Hebelsystem zur Steuerung der Wasserzuführung für das Wasserrad

Die Schleiferei

Der Bau der Kirnitzschtalstraße um 1872, die bessere Nutzung der Wasserkraft im Tag- und Nachtbetrieb durch Erweiterung der Mühle mit der Aufsteilung eines Holzschleifers und der erforderlichen Nebeneinrichtungen, mögen dem Inhaber der Mühle - Josef Neumann - erfolgbringend erschienen sein.

Sicher versprach er sich auch einen höheren Gewinn, denn es lag im Wesen seiner Zeit, den technischen Fortschritt auch in kleinen Betrieben zu nutzen. Zudem mag für dieses Unternehmen die Tatsache fördernd gewesen sein; daß der Erfinder des Holzschleifverfahrens (1843), Friedrich Gottlob Keller, seit 1853 im etwa 15 km entfernten Krippen jenseits der Elbe lebte.

Keller hatte seine Erfindung wegen Mangels an eigenem Kapital und ungenügender Fachkenntnis der Papierherstellung nicht für sich allein nutzen können und sie dem Papierfabrikanten Heinrich Völter in Bautzen überlassen.

Ihm gelang es als technisch und kaufmännisch versierten Fachmann mit Hilfe tüchtiger Maschinenbauer, vorallem mit Friedrich Voith in Heidenheim in Württemberg zum weltweiten Erfolg zu kommen.

Auf der ersten Stufe dieser von Kellers Genie erdachten Erfindung eines Verfahrens zum maschinellen Aufschluß von Fichtenfaserholz für den Einsatz in der Papierherstellung und die Ablösung der bis dahin ausschließlich verwendeten Lurnpenfasem steht dieser uns heute primitiv erscheinende Holzschleifer am Eingang zur Holzschleiferei. Er besteht aus einem Holzbalkengenist mit einem in der Mitte gelagerten rotierenden Sandstein.

Über diesem Stein sind 4 Kästen angeordnet, in die entsprechend zugeschnittene Holzstücke eingelegt und mit Hilfe von Preßplatten gegen den Stein kontinuierlich angepreßt werden. Die vom Schleifstein abgeriebenen Fasern werden mit Wasser abgespült, aufgefangen und den nachgeschaltenen Maschinen zum Verfeinem und Sortieren und schließlich zum Entwässern zugeleitet.

Es ist von besonderem Interesse, daß dieser Schleifer in der Neumannmühle zu einer Zeit aufgestellt wurde, als in der Welt bereits komplette Schleifereianlagen von Voller verkauft wurden, die von Voith konstruiert und gebaut waren und einem hohen technischen Stand entsprachen.

Um 1870 arbeiteten in Deutschland 120 und in Amerika 112 moderne Holzschleifer. Auf Weltausstellungen wurden komplette Anlagen gezeigt und mit hohen Auszeichnungen bedacht. Sie ermöglichten die Produktion von Holzschliff zur Papierherstellung in großen Mengen und brachten den Fabrikanten riesige Gewinne.

Der Neumannmüller im Kirnitzschtal war nicht in der Lage eine zu seiner Zeit moderne Anlage zu kaufen. Die ihm zur Verfügung stehende Wasserkraft war zudem nicht ausreichend, und so begnügte er sich mit einer Anlage, die wahrscheinlich von F.G.Keller in Krippen in Vorschlag gebracht und mit Maschinen bereits aus zweiter Hand eingerichtet wurde.

Sie zeigt aber sehr deutlich das Streben auch der vielen "kleinen Leute", am wirtschaftlichen und technischen Aufschwung der Gründerzeit teilzuhaben und zu profitieren. Bis 1950 gab es noch viele kleine sogenannte Handelsschleifereien in waldreichen Gebieten an kleinen Flüssen und Bächen.

Stofflaufschema

Bild 13: Stofflaufschema

Der Holzschleifer

Bild 14: Der Holzschleifer

Holzschleifer (Antriebsseite)

Bild 15: Holzschleifer (Antriebsseite)

Holzschleifer (Spannvorrichtimg der Preßkammern)

Bild 16: Holzschleifer (Spannvorrichtimg der Preßkammern)

 

Raffineur (zum Verfeinem der Fasern vom Schleifer)

Bild 17: Raffineur (zum Verfeinem der Fasern vom Schleifer)

Bütte

Bild 18: Bütte

(Sammelbehälter für grobe Fasern vor der Wiederzuführung zum Raffineur)

Entwässerungsmaschine (Abnahmeseite)

Bild 19: Entwässerungsmaschine (Abnahmeseite)

Entwässerungsmaschine (Aufnahmeseite)

Bild 20: Entwässerungsmaschine (Aufnahmeseite)

Raffineur (Antrieb mit Kegelradgetriebe - Antriebsrad mit Holzzähnen)

Bild 21: Raffineur (Antrieb mit Kegelradgetriebe - Antriebsrad mit Holzzähnen)

Raffineur (2 Stellspindeln zur Feineinstellung der horizontalen Mahlsteine)

Bild 22: Raffineur (2 Stellspindeln zur Feineinstellung der horizontalen Mahlsteine)

Stoffpumpe (zur Förderung des Holzfaser-Wassergemisches)

Bild 23: Stoffpumpe (zur Förderung des Holzfaser-Wassergemisches)

Am Modell seines ersten "Schleifapparates" im Hause Kellers in Krippen - seine ehemalige Werkstatt ist heute Gedenkstätte - und an der Anlage in der Neumannmühle, lässt sich der Weg von der Idee zur technischen Konzeption verfolgen, die noch heute volle Gültigkeit besitzt und auch den modernen Anlagen zugrunde
liegt.

Seine Erfindung setzte Maßstabe für die moderne Herstellung von Druckpapieren in großen Mengen für die Druckereien und Verlage.

Friedrich Gottlob Keller, dieser einfache, bescheidene Mensch, dessen rastloser Fleiß und zielstrebiges Denken dem Fortschritt in der technischen Entwicklung und industriellen Produktionsweise der Papierherstellung den Weg zu optimaler Nutzung des Rohstoffes Holz ebnete, setzte für die Massenproduktion von Druckpapieren, von Büchern, Zeitungen und Zeitschriften in der ganzen Welt einen neuen Maßstab.

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